In Zeiten des Fachkräftemangels, der Globalisierung und der Digitialisierung ist ein positives Employer Branding massgeblich für den Erfolg im Recruting geworden. 

Ein überaus einfaches und dennoch extrem wirksames Tool dabei sind Mitarbeiterbewertungen. Denn: Wer kann die Attraktivität eines Arbeitgebers besser beurteilen als die eigenen Mitarbeiter?

Bewertungen sind überall
Touristen haben sich schon lange daran gewöhnt, Hotels und ganze Destinationen anhand ihrer Bewertungen auszusuchen. Auch Konsumenten in Online-Shops aber auch in der offline-Welt vertrauen angesichts der Fülle der Angebote heute zunehmend den Bewertungen von anderen Kunden. Warum sollte man denn auch ein Risiko eingehen, wenn man sich vorher ein umfassendes Bild vom Hotel, dem Produkt oder der Dienstleistung machen kann? Bewertungen sind heute auch längst nicht mehr nur auf Tripadvisor, Booking und Amazon zu finden- Auch bei Google und Facebook haben die Wichtigkeit von Bewertungen erkannt und wollen sich damit unentbehrlich machen - sowohl für Konsumenten als auch für Unternehmen. 

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Bewertungen in der Job-Suche 
Warum sollten also nicht auch Job-Suchende diese erprobte und vertrauenswürdige Messlatte der Bewertungen anlegen? Immerhin geht es in ihrem Fall nicht nur um ein Hotelzimmer, ein Buch oder eine neue Küchenmaschine. Es geht um einen grossen Schritt, der die Lebensqualität der nächsten Monate bzw. Jahre massgeblich beeinflusst: Den Wechsel zu einem anderen Arbeitgeber und zu einer neuen Stelle, wo man dann immerhin einen Grossteil seiner Lebenszeit verbringen wird. Da braucht die Entscheidung natürlich noch viel mehr Überlegung und Recherche.

Dabei geht es einerseits um die «hard facts» wie die Aufgaben und Positionierung der Stelle, den Arbeitsort und das Gehalt - alles relativ einfach zu recherchieren. Die «soft facts» wie Work-Life-Balance, Arbeitsklima, Gleichberechtigung, Weiterentwicklung etc sind dagegen unmöglich von aussen abzuschätzen. Hier werden die Bewertungen der bestehenden Mitarbeitenden zunehmend wichtig. Wie eine Studie der Bitkom 2015 aufzeigte, recherchierten schon vor zwei Jahren 29% der Internetnutzer anhand von Online-Bewertungen von Arbeitgebern. Und von diesen Nutzerns liessen sich Dreiviertel in ihrer Entscheidung von Bewertungen beeinflussen lassen. 

Bewertungen aktiv nutzen 
Plattformen wie Glassdoor und Kununu machen Arbeitgeber-Bewertungen öffentlich. Dieselbe Bitkom-Studie zeigt jedoch, dass mit knapp 17% relativ wenige Mitarbeitende von sich aus auf die Idee kommen, ihren Arbeitgeber öffentlich zu bewerten. Was sich für Unternehmen zunächst positiv anhören mag, ist jedoch ein echtes Problem: Mitarbeitende, die von sich aus bewerten, sind meist entweder überaus begeistert oder noch wahrscheinlicher: überaus enttäuscht. Das heisst, auf unbewirtschafteten Unternehmensprofilen finden sich meist relativ wenige Bewertungen. Diese schaffen einerseits kein aussagekräftiges Bild und sorgen durch ihre geringe Anzahl zudem dafür, dass jede einzelne Negativ-Bewertung statistisch das gesamte Ranking nach unten zieht. Und ein mittelmässiger oder schlechter Score wird - besonders bei einer grossen Konkurrenz im Markt oder am Ort - viele Interessenten davon abhalten, sich überhaupt zu bewerben. 

Das dreistufige Rezept für den erfolgreichen Einsatz von Bewertungen im Recruiting heisst also: 

  1. Bewertungen akzeptieren: Sie sind hier und werden auch nicht wieder verschwinden. 
  2. Bewertungen fördern: Für mehr Bewertungen und damit auch mehr positive Bewertungen von Mitarbeitenden sorgen. Und das vor allem nicht nur auf den Plattformen, sondern mit einfachen internen Befragungstools auch nachweislich echte Mitarbeitende auf der eigenen Webseite zu Wort kommen lassen. 
  3. Bewertungen aktiv nutzen:
    - Bewertungen kommentieren und so ein möglicherweise schiefes Bild geraderücken.
    - Bewertungen als Botschaft in der Werbung um potentielle Fachkräfte nutzen und damit die eigene Attraktivität als Arbeitgeber glaubhaft dokumentieren.
    - Bewertungen auf der eigenen Jobwebseite einbauen, sodass sie durch ihren Inhalt und das Sterne-Ranking bei Google einen Vorsprung in der Suchmaschinenoptimierung erzeugen können.