Mit dem Tot-Sagen ist es so eine Sache im Journalismus. Es ist nämlich ziemlich einfach. Da hat der Online-Handel viel Erfolg und hohe Zuwachsraten und flugs wird dem stationären Handel rundum die Zukunft abgesprochen. Laut diesem Artikel des Handelsblattes sollen bis 2020 aufgrund des Onlinehandels rund 50'000 Geschäfte in Deutschland, vor allem in kleineren und mittleren Städten, die Existenzgrundlage verlieren. 

Wir sehen das etwas anders. Eine reine Hochrechnung aufgrund bestehender Umstände und bis-dato-Entwicklungen ist eigentlich nie zuverlässig oder zulässig. Besonders nicht in einem Fall, wo die Hochgerechneten eindeutig das Ruder in der Hand haben und somit die Möglichkeit, selbiges auch herumzureissen und etwas an der Situation zu ändern.

 

Das ist natürlich ein Muss. «Business as usual» herrscht im Einzelhandel schon lange nicht mehr. Wer das noch nicht gemerkt hat, sollte jetzt sofort seinen Kopf aus der Ladentür (oder in den Computer) strecken und die Nase in den Online-Wind halten. 

Es ist nämlich noch nicht aller Tage Abend. Es gibt auch Studien, die sehr viel Potential für den stationären Einzelhandel aufzeigen. 

Online und Offline sind zwei Seiten derselben Welt!
Viele Menschen kaufen - immer noch und immer wieder - sehr gern im Laden ein. Auch jüngere online-affine Menschen legen oft Wert auf persönliche, kompetente Beratung beim Kauf von Produkten und auf Kontakt und Beziehungen in ihrer Nachbarschaft, auf das Gefühl, in ihrem Stadtviertel oder in ihrem Dorf zuhause zu sein und ein Netzwerk für alle Bedürfnisse zu haben. Sie würden gern öfter vor Ort im Laden einkaufen, WENN sie sich denn im Internet vorher orientieren könnten, welche Läden es gibt, was diese Läden bieten, wann sie geöffnet haben, wie man dorthin kommt und wie diese Läden bzw. die angebotenen Produkte bewertet sind. 

Der RoBo-Effekt (research online, buy offline) 
Laut dieser Infografik (siehe auch unten) suchen 39-58% der Offline-Käufer im Internet nach Bewertungen der gesuchten Produkte, bevor sie in den Laden gehen, um zu kaufen. Je teurer das Produkt, desto wichtiger sind die Bewertungen. Desto wichtiger ist auch die Beratung und Betreuung im Laden. 

Einzelhändler müssen umdenken

Es genügt heute nicht mehr, eine physische Ladentür zu haben, durch die Kunden hineinkommen können. Der Laden muss als "Online-Immobilie" auch im Internet zu finden sein - mit einer attraktiven, informativen und mobiltauglichen Webseite, die so eingerichtet ist, dass sie Käufer in den physischen Laden bringt. Kommunikation darf nicht mehr nur vor Ort erfolgen, der Dialog muss auch ins Netz getragen werden - auf der Webseite, auf der Facebookseite. Kunden, die online unterwegs sind, erwarten dieselbe Beweglichkeit auch von ihren Händlern. Einzelhändler müssen lernen, sich in beiden Welten zu bewegen, um sie für ihren Erfolg zu nutzen und die Kunden dorthin zu bringen, wo sie letztendlich kaufen möchten. Service, der online und offline verbindet, ist wichtig - wie wäre es zum Beispiel mit einem Rückruf bei Fragen? Oder mit der Möglichkeit, Produkte schnell und einfach zu reservieren, um sie später abholen zu können? Kundenfreundlichkeit ist ein Muss, ebenso der Kundenservice über den erfolgten Kauf hinaus. Auch eine stärkere Flexibilität in den Öffnungszeiten würde der wachsenden zeitlichen Flexibiltät der Gesellschaft Rechnung tragen und bei vielen Kunden, die vielleicht nur mittags oder erst am frühen Abend Zeit haben, sehr gut ankommen. 

 

 

Infographic: Research online, buy offline - today's shopper seeks CGC